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Folk, Klamauk und Punk ohne Tabus

15.09.2014, 18:06 Uhr
Adelsried
abgelegt unter Konzerte

Adelsried. Aus dem Stadelbräu in Adelsried kommt ein leckeres Eigengebräu. Hier wird jeden Freitag von sechs bis acht Uhr Abends ein klassisch feingehopfter Gerstensaft, ein äußerst süffiges Exportbier ausgeschenkt. Vom Hausherrn Anton Rittel all hier selbst gebraut.

Folk, Klamauk und Punk ohne Tabus

Doch diesen Freitag erwartete die ca. 90 Besucher des Stadelbräu noch ein weiteres Eigengebräu. Es ist ein Gebräu der etwas anderen Eigenart, abgezapft und an die Gäste verfüllt von einem markanten Ableger des Dinkelscherbener Kalb-Clans. Andreas Kalb mit Band, jüngstes Wildgewächs einer umtriebigen Familie, selbst ernannter Musikkabarettist, Pop-Poet und Wirtshauslyriker fand sich hier im Stadelbräu in seinem ureigenen Element wieder.

Bier ist für Kalb und Band Urstoff des Seins, inspirierender Urquell, nicht nur bloßes Lebensmittel, Aufputschmittel und Droge, nein ein echter, heiligender Weihetrunk. Für Andreas Kalb stellen Bierhallen und Wirtshäuser wahre Orte der inneren Einkehr dar, wo Künstler und Publikum sich von den Bürden des Alltags befreien, gelöst zu sich selbst und zu ihresgleichen finden können. Zeit wird im Kalb-Universum in leeren Biergläsern gemessen, so wie sie sich im Laufe des Abends auf den Verstärkern von Bass und Gitarre munter aneinander reihen.

Ja, ja. Um Andreas Kalb gerecht zu werden, darf man ihn nicht zu ernst nehmen.

Extrem verstörend sind auf's erste Hinhören Kalbs eigene Texte. Kalb zelebriert inbrünstig politisches Inkorrekt-Sein, beweist uns ständig sein Nicht-Erwachsen-geworden-, sein "aus der Art geschlagen"-Sein. Das Brechen von Tabus und Regeln steigert sich in Kalbs lustig-maßloser Übertreibung zu so grotesk zwanghaften Formen, dass sich dadurch schon wieder ein gewisser "Reinigungseffekt" einstellt. Sei es die exzessive Tierquälerei im Lied "Frösche", die vermeintliche Verhöhnung von Contergan-Geschädigten in "Doping", sei es die aufdringliche Fäkal- und Anal-Sprache mit ihrem massiven Gebrauch von "F"- und "S"-Wörtern: so was kommt erst mal nicht so gut an beim breiten Landpublikum. Bei Grundschullehrerinnen und sonstigen eingefleischten Gutmenschen punktet man damit ganz und gar nicht. Will man aber auch nicht.

Musikalisch unternahmen die Dinkelscherbener den gewagten Sprung vom lyrischen Elfenbeinturm in den breiten Strom gängigen Mainstream-Party-Cover-Rocks. Leider ging Ihnen gegen Ende des Abends trotzdem ein Gutteil des jungen Publikums verloren. Dabei hatte die Vorband "The Critics" die feucht-kalte Halle schon mit so manchem Partyknaller angeheizt. Der Stimmung auf der Bühne tat dies keine Abbruch. Hier ging es zum großen Finale mit ACDC und "Knocking on Heaven's Door" erst so richtig ab. Kurz vor Mitternacht wurde sogar noch ein richtiger "stagedive" - siehe Bild - geboten. Wow! Am Montag beginnt für Andreas Kalb dann der Alltag. Da muss der unsportliche Poet seine zweite Laufbahn als Realschullehrer antreten.

Quelle: Augsburger Allgemeine

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