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Heiterer Sommerabend im Holzwinkelsaal - Holzwinkelchor macht frostiges Wetter vergessen

16.07.2012 um 15:50 Uhr
Welden
abgelegt unter Konzerte

Welden. Das Wetter macht ja gerade niemandem so recht gute Laune hier in Nordeuropa - und auch der Holzwinkel bekommt gerade wieder einmal einiges an unsommerlichen Temperaturen ab. Ein gutes Stück näher an bella italia mit seinen warmen, einschmeichelnden Temperaturen rückte dafür dieser musikalische Sonntagabend die Zuhörer im gut besuchten Holzwinkelsaal. Die integrative, harmonisierende Kraft für Chorstimmen gesetzter Vokalmusik stellten vier Ensembles aus dem Holzwinkel unter Beweis.

Heiterer Sommerabend im Holzwinkelsaal - Holzwinkelchor macht frostiges Wetter vergessen

Zum sommerlichen Chöresingen eingeladen hatte die Musikvereinigung Welden e.V., deren gemischter Chor von Petra Eckl geleitet wird.

Der Integration der Veranstaltung in den diesjährigen Kult(o)ur-Sommer war es wohl mit zu danken, dass ein gewisser "Hauch der heimischen Wälder" das gemeinsame Programm der Holzwinkel-Chöre inspirierte und durchwehte.

Wir hörten zu Beginn unserer musikalischen Reise ein "Willkommen" aus der Melodienfolge "Europa-Reise" des deutschen Kirchenmusikers und Komponisten Willy Trapp, intoniert mit der geballten Stimmgewalt des vereinigten Holzwinkelchors. Die Chörsänger und Sängeringen dirigierte zu Beginn Sieglinde Kazemiyeh, am Flügel begleitete Thomas Kaiser. Kaiser unterstützte mit seinem einfühlsamen Spiel auch den Kirchenchor Heretsried, Lauterbrunn und Emersacker. Doch hierzu später.

Zutiefst romantisch wurde es nun mit den Zeilen:

O Täler weit, o Höhen, 
O schöner, grüner Wald, 
Du meiner Lust und Wehen 
Andächt'ger Aufenthalt! 
Da draußen, stets betrogen, 
Saust die geschäft'ge Welt, 
Schlag noch einmal die Bogen 
Um mich, du grünes Zelt!
…

aus v. Eichendorffs Gedicht "Abschied". Dies war nur ein Abschied auf Zeit, denn schon ging es "Auf, auf zum fröhlichen Jagen" zurück in den Wald mit einem ungetrübt heiteren Kärtner Volkslied aus dem 18. Jahrhundert. Die lustige Brücke von tief romantischem Ernst und Wehmut zur unterhaltsamen Heiterkeit ausgewählter Adaptionen der "Forelle" bewirkte der Gemischte Chor der Musikvereinigung Welden mit dem Lied "I bin a Schwoab" von Florian Stichele.

Jetzt übernahm der Kirchenchor Heretsried, Lauterbrunn und Emersacker unter Kazemiyeh das Ruder und präsentierte uns vier der zehn köstlichen Variationen über die Schubertsche "Forelle" aus der Hand des Österreichers Franz Schöggl. Besonders die letzte, rhythmisch sehr schwierige Variation im Stil von Franz Liszt begeisterte das Publikum und entließ uns sommerlich entspannt in die Pause. Zurück aus der Pause ging es mit dem Männergesangsverein Viktoria Adelsried und seiner Dirigentin Anna Biberacher schon wieder zurück in den Wald, der diesmal "grasgrün" war. Der Wald war hier nur Bühne und Ausgangspunkt für das ewig Neue, von nun an drehte sich alles um die Liebe:

Ich ging durch einen grasgrünen Wald
Da hört ich die Vögelein singen,
Sie sangen so jung, sie sangen so alt,
Die kleinen Vögelein in dem Wald,
Die hört ich so gerne wohl singen.

Stimm an, stimm an, Frau Nachtigall,
Sing mir von meinem Feinsliebchen!
Sing mir es so hübsch, sing mir es so fein:
Heut Abend, da will ich bei ihr sein,
Sie halten in meinen Armen.
…

Mit der Liebe hat mancher seine Probleme, so auch in der Volkslied-Bearbeitung von Johannes Brahms: "Da unten im Tale Läuft's Wasser so trüb, Und i kann dir's net sagen, I hab' di so lieb. … - kleine Episode am Rande: in der Einführung wurde von einem der Adelsrieder Chorsänger das trübe Wasser im Lied mit der Laugna bei Welden gleichgesetzt, die Weldener nahmen die launige Anspielung gelassen und mit Humor - so harmonisch sind die einst konkurrierende Gemeinden durch die verbindungsstiftende Kraft der Musik bereits zusammen gewachsen!

Mit der Liebe im Liedgut läuft es aber bei weitem nicht so optimal wie im Holzwinkelsaal, dies bewies die alte Volksweise "Horch, was kommt von draußen rein", die Liebste kommt hier vorbei und sieht uns nicht, wie gemein, da hilft nur "Vogel-Strauß-Pollitik": "wird's wohl nicht gewesen sein, holla hi ha ho …"

Auch der Kirchenchor Adelsried unter Dr. Ulrich Fischer hatte ein Herz für die Liebe, "Glaubt ihr, Beständigkeit zieret die Liebe?" fragte man mit Mozart, doch da ist man auf dem Holzweg, meinte Franz Brechenmacher, (kleine Brücke zum diesjährigen Motto), und weiter ging es mit Mozart im "Alphabet", in den schnellen Passagen recht anspruchsvoll. Was aber war hier nun der Bezug zum Holzwinkel? - die Holzhammerpädagogik, mit der einem Mozart hier das ABC um die Ohren haut! Beim dritten Mozartstück "Warnung" wurde auf jeden Versuch der Brückenbildung verzichtet - eigentlich ist das auch kein Chorstück, aber wir nehmen es nicht so genau, zu zuckersüß ist der Text und den Appetit auf noch mehr Musik verdarb uns die Solo-Arie, intoniert von Franz Brechenmacher, auch nicht:

Männer suchen stets zu naschen,
Läßt man sie allein,
Leicht sind Mädchen zu erhaschen,
Weiß man sie zu überraschen;
Soll das zu verwundern sein?
Mädchen haben frisches Blut,
Und das Naschen schmeckt so gut.

Doch das Naschen vor dem Essen
Nimmt den Appetit,
Manche kam, die das vergessen,
Um den Schatz, den sie besessen,
Und um ihren Liebsten mit,
Väter, lasst's euch Warnung sein:
Sperrt die Zuckerplätzchen ein!

Ausklingen ließ es der Holzwinkelchor - diesmal geleitet von Petra Eckl mit "Musik, die die Welt erfüllt" und "Wie lieblich schallt". Da hieß es "Nun Ade zur Guten Nacht". Sie hätte sommerlicher nicht sein können!

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