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Wie klingt der Wald in der Musik? Über 100 Zuhörer lauschen dem „Widerhall des Waldes“

26.06.2012 um 13:31 Uhr
Welden
abgelegt unter Konzerte
von Christa Steinhart

Welden. Das Experiment ist gelungen: Weit über 100 Zuhörer haben sich am vergangenen Sonntag auf den Weg zur alten Ganghofer-Hütte im Schwarzbrunnen bei Welden gemacht, um dem „Widerhall des Waldes“ zu lauschen: Rund 30 Streicher, Bläser und Sänger hatten sich auf Einladung des Kult(o)ur-Sommers im Holzwinkel der Herausforderung gestellt, gemeinsam ein Konzert auf einer Waldlichtung zu gestalten.

Wie klingt der Wald in der Musik? Über 100 Zuhörer lauschen dem „Widerhall des Waldes“

Am Anfang war die Idee, ein Konzert auf der Bühne „Wald“ zu bieten, möchte doch der Kult(o)ur-Sommer mit dem Motto „Wälder können mehr als rauschen“ die Aufmerksamkeit auf die vielfältigen Facetten des (heimatlichen) Waldes lenken. Warum also nicht den Wald als Veranstaltungsraum nutzen? Wo doch der Wald auf verschiedenartige Weise seinen Widerhall in der Musik findet. Da sind die thematischen Verbindungen, v.a. im emotionalen Bereich, etwa bei den Romantikern, denen die Zuhörer am Sonntag Abend in einem Lied von Mendelssohn-Bartholdy begegneten. Passend dazu, wenn auch nicht romantisch im klassischen Sinne, aber geprägt von sehr gefühlsstarkem Ausdruckswillen, die Kompositionen von Tschaikowsky – auf der Waldlichtung exemplarisch präsentiert in einer Bearbeitung für Saxophone.

Der Widerhall des Waldes wurde im Wald auch erzeugt durch die Wahl der Instrumente, dient doch der Rohstoff Holz als Klangerzeuger beim Instrumentenbau: Bei den Streichinstrumenten als Resonanzkörper, während Holzbläser wie die Saxophone ihren Ton über Holzblätter erzeugen, den schwingenden Teil des Instrumentenmundstücks. Den Instrumentenreigen ergänzten bei der Ganghofer-Hütte die menschliche Stimme sowie das Alphorn, das seinerseits den Blechblasinstrumenten zugeordnet wird, auch wenn es überwiegend aus Holz gefertigt wird.

Wie klingt (klassische) Musik im Wald?

Spaziergänger und Fahrradfahrer trudelten unentwegt ein um zu entdecken, wie (klassische) Musik im Wald klingt. Auch ein Shuttledienst für Gehbehinderte kam zum Einsatz, Orts-Unkundigen wurde die Möglichkeit eines gemeinsamen Spaziergangs geboten, um zur Waldlichtung, die nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden kann, zu gelangen. Entspannt ließ man sich nieder auf bereitgestellten Sitzmöglichkeiten, mitgebrachten Decken oder Campingstühlen sowie auf zweckentfremdeten Holzklötzen, die spontan als Hocker dienten. Die Zuhörer genossen die lockere Atmosphäre und den erstaunlich guten Klang auf der Waldlichtung, während sich die Musiker der Herausforderung der besonderen Akustik eines offenen Raums stellten und mit Bravour meisterten.

Der Widerhall des Waldes

Das Thema ganz wörtlich nahm Alfons Fischer, der aus dem „Off“ das Konzert eröffnete und mit dem Ruf des Alphorns aus dem Verborgenen versuchte, den Widerhall des Waldes herauszulocken. Der gebürtige Weldener versteht es, dieses Instrument sehr individuell zu interpretieren. Spätestens nach seinen Darbietungen bezweifelte niemand mehr, dass auch das Alphorn mit seinen Naturtönen wahrhaft virtuos gespielt werden kann – stets kombiniert mit einem Partnerinstrument, gleich ob Bassschlitztrommel, Mini-Marimba oder Gitarre.

Nach dem widerhallenden „Opener“ bot das Jugendstreichorchester inTONation aus Günzburg, unter der Leitung von Wei Guo Mao, Leopold Mozarts Kindersinfonie sowie drei Tänze aus der Renaissance dar. Die jungen Musiker brachten Vogelstimmen ins Spiel und versetzten die Zuhörer in festliche Stimmung. Monika Hartmann, Franziska Höfele, Alicia Jakubsche, Magdalena Mack und Maria-Rosa Vogele, Schülerinnen des Gymnasiums Wettenhausen, stellten sich mutig der Herausforderung, ihr Instrument, nämlich die menschliche Stimme, im Wald erklingen zu lassen und boten ein weiteres Hörerlebnis rund um die Frage: Wie klingt Musik im Wald? Gewählt hatten sie Lieder von romantisch bis modern, aus Klassik und Pop, die durchweg mit Emotionen spielten.

Für Spannung sorgte bald die Frage: Hält das Wetter? Nein – es hielt nicht! Doch die Begeisterung der Zuhörer für die Darbietungen war größer als die Sorge um trockene Kleidung. Flugs wurde umdisponiert, das (hervorragende) Saxophonquartett der Harmoniemusik Welden unter dem schützenden Verandadach der August Ganghofer Hütte platziert und weiter ging das Konzert. Schutz vor dem niedergehenden Regen boten den Zuhörern Schirme oder das Blätter- und Nadeldach der Bäume.
Eingeladen waren die Saxophonisten Andreas Kapfer, Michael Joachim, Georg Bühler und Valentin Steinhart nicht nur als Vertreter von Bayerns zweitbestem Blasorchester der Oberstufe, sondern vor allem als Repräsentanten der Holzblasinstrumente. Nach dem stimmungsvollen Auftakt mit dem Alphorn bildeten Sie musikalisch den Höhepunkt und gleichzeitig Schlusspunkt des Konzerts. Neben dem „Andante cantabile“ von Tschaikowsky hatten die Bläser Stücke der zeitgenössischen modernen Komponisten Samuel Barber, Arvo Pärt und Michael Nyman gewählt und ließen damit den Zuhörern ein ganz außergewöhnliches und sichtlich bewegendes Klangerlebnis zuteil werden. Auch so kann der Wald klingen!
Mit dem Konzert endete auch der Regen und man verabschiedete sich in dem guten Gefühl, ein besonderes Ereignis erlebt zu haben.

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